Zwischen Himmel und Hölle

Ja, es gibt immer zwei Seiten einer Medaille. Schon klar! Doch wenn man ein Kind erwartet, ist einem die eine – nennen wir es dunkle Seite – nicht gerade präsent.

Ich sage es immer wieder, es braucht Aufklärungs-Kampagnen, die erklären, was es bedeutet, Kinder großzuziehen. Ähnlich wie die Kampagne gegen Koma-Saufen.

Deswegen und auch um mir meinen Frust von der Seele zu schreiben, sammele ich die schönsten und weniger schönsten Momente. Und weil es darüber hinaus witzige bis absurde Momente gibt, die festgehalten werden wollen, ist damit eine weitere Kategorie hinzugekommen. Dabei hätte ich es doch wissen müssen: Alles hat drei Seiten – eine positive, eine negative und eine witzige.

Trotzdem: Hättet Ihr‘ s gedacht, dass es mal so kommen kann?

Wolken (2)

Die angenehme Seite:

2015

… nachts im Kinderzimmer. Das eigene Kind laut schnullern hören. Zufrieden! Sowohl Kind als auch ich. (23.06.2015)

… sich nach dem Duschen abtrocknen und dabei den Kindern lauschen. Wie sie zwischen Kinderzimmer und Wohnzimmer lautstark  Fangen spielen und dabei lachen. (30.06.2015)

… Samstag morgen um 7 Uhr (!) vom Lachen der beiden Kinder aus ihrem Kinderzimmer geweckt werden. (18.07.2015)

… sich um so mehr über ein paar freie Minuten oder (wie geil ist das denn!) sich auf einen kinderfreien Abend und Morgen freuen. (regelmäßig)

… sich köstlich über ein Kinderbuch amüsieren. „Sieben wilde Schweine“ sollte man gelesen haben (Buchtipp). (21.07.2015)

… ein so nettes „Danke schön“, nachdem ich ihm erzählt habe, dass er jetzt ein Treppchen für die Toilette hat/über was rede ich da eigentlich? – ach, egal/. (22.07.2015)

… das betont lang gezogene  „D  a  n  k  e     s  c  h  ö  n“  nach einer Ermahnung, er solle seinen Bruder nicht schlagen. (22.07.2015)

… wieder ganz viel barfuß laufen.

… sich wieder auf die Sommerferien freuen.

… der Urlaub an der Nordsee. (08.2015)

… eine Nudel aus der Nase des Kindes holen. (16.08.15) … und sich davor darüber schlapp lachen, wie sich das Kind die Nudel in die Nase steckt. (16.08.15)

… sich auf Samstag freuen. Denn das ist der Tag, an dem ich ausschlafen kann – nachdem wir das vereinbart haben. (10.09.15)

… so viel Unterstützung von der eigenen Mutter bekommen, dass ich vor Freiheit in die Luft springen möchte. DANKE MAMA! (15.09.15)

… von zwei kleinen und einem großen Piraten zu Hause empfangen werden. (25.10.15)

… sich schlapp lachen, während wir „Wir sind die Wölfe“ unserem Kind vorlesen. Zum x-ten Mal. Und das Buch schon auswendig kennen. (26.10.15)

… Nach dem Abendessen und Kinder-fertig-machen sacken wir in den Stuhl am Esstisch. Vor uns noch ein Haufen Hausarbeit: Waschmaschine ist fertig, die Spülmaschine muss gefüllt und noch aufräumt werden und Du sagst zu mir: „Schatz, du kannst dich jetzt gerne beim Aufräumen entspannen.“ – HA, HA! (Mein Fels in der Brandung, der seinen Humor nicht verliert – komme, was wolle!) (26.10.15)

… sich im Oktober auf Weihnachten freuen! (29.10.15)

… aus dem Mund meines Kindes zu hören: „Ich liebe dich.“ (24.12.15)

2016

Gänseblümchen… am Weltfrauentag das Kind an der Haustür empfangen und zwei Gänseblümchen geschenkt bekommen. Ohne Aufforderung dazu, aus sich heraus. Einfach so. Aus Liebe wohl. (08.03.2016)

… dem Beatboxen aus dem Bad lauschen. Und eine Kinderstimme dazwischen begeistert rufen hören: „Du machst das cool!“
… immer noch dem Treiben im Bad lauschend, sagt der Vater zum Kind 1: „Wo hast du denn die vielen Knoten in deinen Haaren her?“ Antwort: „Aus dem Urlaub.“ (22.06.2016)

… dieses wahnsinnig geile Gefühl, wenn dein Kind zum ersten Mal Fahrrad fährt. Kind 1 ist zum ersten Mal aufgestiegen und einfach losgefahren. Als wenn er es schon immer konnte. (06.07.2016)

Während einer Aufführung des Kindergartens wie ein Groupie auf und ab hüpfen, dem Kind 1 zuwinken und eine Träne verdrücken. (09.07.2016)

Im Clinch liegend mit dem Kind 1, sagt der Vater – um seinem Argument Nachdruck zu verleihen: „Meine linke Arschbacke hat schon mehr erlebt als du.“ Punktsieg. (25.07.2016)

… der Urlaub an der Nordsee. (08.2016)

… das Geräusch, das Kleinkinder machen, wenn sie einem einen Kuss geben. (aufgefallen am 10.11.2016)

… die Vorweihnachtszeit genießen bei Kerzenlicht und beleuchtetem Tannenbaum. Und dem Kind 1 fällt auf: Es fehlt nur noch Musik, dann haben wir eine richtige Party. (03.12.16)

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… dieses Gefühl, wenn der 4-Jährige Sohn einem das selbst gebaute Flugzeug aus Lego präsentiert. (04.12.2016)

… mit seinen Kindern zum ersten Mal einen seiner liebsten Disneys anschauen – „Der König der Löwen“ (Filmtipp). (10.12.2016)

 

… in den Winterferien alle zusammen spielen: Wer am längsten schläft, hat gewonnen. Und tatsächlich, es funktioniert: Gewinner heute Kind 2 mit einer Bestzeit von 10:30 Uhr! (29.12.2016) … und heute wieder mit einer Bestzeit von 12:30 Uhr! (06.01.2017)

2017

… wir überqueren die Straße und Kind 2 rennt schnell auf die andere Straßenseite. Ich sage daraufhin: „Du bist ja so schnell wie Flash [ein DC-Superheld, Anm.d.Red.]“ Darauf das Kind sehr von sich überzeugt: „Ich bin Flash“ … und später während wir laufen ergänzt er: „… und Batman!“ Sehr gut. (04.01.2017)

Sie absurde Seite:

Was machen Eltern nach einem 8h-Arbeitstag, und nachdem sie Wäsche gewaschen haben, die Geschirrspülmaschine aus- und wieder eingeräumt, davor gekocht und danach die Kinder ins Bett gebracht haben? Die Antwort lautet: Muffins – für den 2. Geburtstag von Junior. Feierabend also um 23 Uhr, danach endlich F r e i z e i t  :-) (29.03.2016)

Tastatur_400Am kinderfreien Feiertag schütte ich eine Tasse Kaffee über meine Tastatur und bin in meiner kostbaren Freizeit erst mal mit einer unliebsamen Aufgabe beschäftigt. (05.05.2016)

 

Don‘ t stop working – if you have kids. (Motto während ich lahmgelegt war wegen eines Bänderrisses 07.04.-01.05.2016)

 

Zwei Betten für die Kinder haben. Und wo schlafen die Kinder? Das Eine auf der Matratze auf dem Boden zwischen den beiden Betten; das Andere im „großen“ (Eltern)Bett!!!???? (aufgefallen am 06.05.2016 – 08.2016)

Wenn sich zwei Brüder um das Loch im Emmentaler streiten. (18.05.2016)

Ein fast 4-Jähriger, der mir versucht glaubhaft weiszumachen: „Ich wollte immer ein Mädchen sein.“ Die Ausgangsstory: Beim Mutter-Vater-Kind-Spielen fällt dem Kind bei der weiblichen Puppe die Haarspange in den Haaren auf. Dazu fällt dem Kind ein: „Nur Mädchen tragen Haarspangen. Ich bin ein Junge.“ Und später beim Spielen: „Ich muss noch mein Handy laden für das Baby!“ (08.08.2016)

Unser Kind weigert sich, abends schlafen zu gehen. Unser Geduldsfaden reißt allmählich. Und da begründet das Kind 2 sein Verhalten mit: „Sonne scheint.“ (29.09.2016; 22:48)

Die unangenehme Seite:

… jeden Tag aufs Neue Motivieren und Erklären: zum An- und Umziehen, zum Zähneputzen, zum Schlafengehen uvm. (jeden Tag)

… die Kinder davon abhalten, sich selbst umzubringen oder Chaos zu hinterlassen. (jeden Tag)

… ständige Kopfarbeit: argumentieren, überzeugen, überreden, erpressen, verhandeln. Kompromisse schließen. Und am Ende gewinnt dann doch das Kind. (jeden Tag)

… sämtliche Körperausscheidungen wegputzen oder wegwischen. (jeden Tag)

… wenig Schlaf. Dafür viel Wäsche, Geschirr, Sand und Krümel. (s.o.)

… eine gefühlte Ewigkeit warten, bis das Kind endlich einschläft und man sich davonstehlen kann. Und sich selbst dafür verfluchen, dass man dem Kind nicht beigebracht hat, alleine einzuschlafen. Soll ja viele Bücher zu diesem Thema geben. (25.04.2016)

… jeden Tag beim Abendessen: Es fällt eine Gabel, Löffel, Messer, Kind und/oder Spielzeug  herunter, verschüttet ein Glas und/oder geht ein Glas kaputt oder es geht etwas anderes herum. (seit beide Kids am Tisch essen, aufgefallen am 07.10.2017)

Die verblüffende Seite:

Da sagt das Kind 1 aus einem Streit ums Ins-Bett-gehen mit dem Vater erzürnt:
„Das ist nicht deine Welt!“ (19.11.2016)

– to be continued –

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