Wir sehen meist das, was wir schon kennen

Ein König ritt einmal mit seiner Gefolgschaft durch sein Königreich. Dabei sah er an vielen Bäumen einen Pfeil, der genau im Mittelpunkt einer Zielscheibe steckte. „Bringt mir den Schützen, der so gut schießen kann!“, befahl er.

Der König wollte sehen, wie jemand so gut mit Pfeil und Bogen umgehen kann. Die Gefolgschaft stellte dem König ein kleines Mädchen vor, das die Schützin gewesen sein soll. Noch einmal sollte sie ihre Fähigkeit vor allen anderen demonstrieren. Also spannte das Mädchen seinen Bogen, schoss den Pfeil in den nächsten Baum und zog danach mit Farbe Kreise um den Pfeil in der Mitte. Es sah aus, als hätte sie perfekt getroffen.

Die meisten Menschen nehmen sicher an, dass eine Zielscheibe dazu da ist, die Mitte zu treffen. Sie deuten das als Erfolg. Diese Metapher soll zeigen, dass viele unserer Annahmen auf dem beruhen, was wir schon kennen. Deshalb vergessen wir, wie viele unzählige Möglichkeiten es gibt, eine Situation zu deuten. Dieser Mechanismus ist zwar für den Alltag hilfreich, weil er Komplexität reduziert. Dennoch sollten wir uns öfter bewusst machen, dass dieser Mechanismus dann nicht hilft, wenn wir zum Beispiel kreativ sein sollen oder eine Situation tatsächlich ganz anders zu beurteilen ist, als wir annehmen.

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