Was 2015 los war – ein Rückblick mit Ausblick

„Neue Talente.“ nannte der italienische Finanzminister Pier Carlo Padoan die Flüchtlinge. „Das ist doch wunderbar!“ meinte er zur Chance in der Krise. Daimler-Chef Dieter Zetsche ging weiter und redete von den Flüchtlingen, die die „Grundlage für das nächste deutsche Wirtschaftswunder“ sein könnten. Letzte Woche hat der einmillionste Flüchtling die Grenze nach Europa überschritten (ohne Balkan-Flüchtlinge mitgerechnet). „Flüchtlinge“ ist auch zum Wort des Jahres 2015 gewählt worden. Die Gesellschaft für deutsche Sprache kürt jedes Jahr Wörter und Wendungen, die das Jahr aus politischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Sicht sprachlich bestimmt haben.

Nach der anfänglichen Euphorie kippte die Stimmung in Zorn über: Europa hat genug Arbeitslose! Die Unterbringung der Flüchtlinge kostet zu viel! Es sind Moslems, die zu uns kommen! Die sind kriminell! Da möchte man gerne mahnen: Und zwar zur Besinnung.

In Deutschland waren 2015 noch nie so viele Menschen in Arbeit wie zuvor. 43,4 Millionen um genau zu sein. Außerdem: Wenn Osteuropäer (oder Ostdeutsche) in den Westen ziehen, weil sie dort einen besseren Job bekommen, dann bewerten das die meisten als legitim. Für einen Job verlassen viele ihre Familie (oder die ostdeutschen Bundesländer). Sie nehmen Jobs an, die viele Einheimische nicht machen wollen.

Die finanziellen Ausgaben für die Finanz- und Wirtschaftskrise waren enorm. Allein das dritte Hilfspaket für Griechenland kostete die Europäer dieses Jahr 86 Milliarden Euro! Übergriffe auf Bänker oder Banken gab es nur wenige. Übergriffe auf Asylanten oder Asylunterkünfte: Mehr als 1.600 im Jahr 2015 in Deutschland.

Apropos Kriminalität – was kam 2015 ans Licht? Abgas-Skandal bei VW, Korruption bei FIFA und DFB, Geldwäsche-Affäre bei der Deutschen Bank.

Wir picken uns gerne die Rosinen heraus, um uns zu beschweren. Warum? Weil wir es können. Doch wir müssen anerkennen: Die Welt war auch schon vor dem größten Zustrom an Flüchtlingen seit dem Zweiten Weltkrieg ein Dorf.

Die größte Herausforderung 2016 wird sein, die Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren. So die Einschätzung vieler Entscheider laut Handelsblatt Business Monitor. „Wir schaffen das“ meinen demzufolge fast alle der Befragten. Diese Wendung schaffte es übrigens auch in der Liste der Wörter und Wendungen des Jahres 2015. Na, das sind doch gute Voraussetzungen!

Schreibe einen Kommentar