Über Prioritäten

Der litauische Basketball-Trainer Šarūnas Jasikevičius wurde bei einer Pressekonferenz kürzlich gefragt, was er davon halte, dass einer seiner Basketballspieler, Augusto Lima, mitten in der Saison das Team verlasse. Der Spieler will bei der Geburt seines Kindes dabei sein. „Was ich darüber denke?“ fragte der Trainer zurück und antwortete kurz, dass er Lima gehen gelassen habe. Diese Antwort war dem Reporter nicht ausführlich genug, weshalb er nachhakte, ob es „normal“ sei, dass ein Spieler seine Mannschaft zum Halbfinale verlasse.

„Haben Sie Kinder?“ fragt der Trainer wiederum zurück und sagt das, was viele Eltern von denjenigen denken, die wenig bis keine Verständnis für ihre Situation haben: „Wenn Sie Kinder haben, werden Sie das verstehen.“ Das Halbfinale, das Team und die Fans seien doch wichtig, legt der Reporter nach. Und mal ehrlich – die meisten Menschen würden das genauso sehen. Denn im Berufsleben wie auch beim Sport geht es vor allem darum, etwas zu leisten – und dafür die Lorbeeren zu kassieren. Der Trainer weiß aber aus Erfahrung: „Wenn Sie Ihr erstes Kind gesehen haben, werden Sie verstehen, was das Wichtigste im Leben ist.“ Der Trainer freut sich für seinen Spieler. Die wenigsten werdenden Eltern erhalten im Berufsleben so eine Reaktion, wenn sie eine Schwangerschaft mitteilen. Schließlich sind Haushalt und Kinderbetreuung nicht wertschöpfend im klassischen Sinne und daher wenig angesehen. Das Video mit der Pressekonferenz wurde übrigens allein auf Facebook über 15 Millionen Mal aufgerufen und knapp 168.000 Mal geteilt.

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