Talente in hoher Stückzahl

„Neue Talente.“ Nennt der italienische Finanzminister Pier Carlo Padoan die Flüchtlinge. „Das ist doch wunderbar!“ meint er zur Chance in der Krise. Er könnte auch sagen: „Wo liegt das Problem?“

Ja wo liegt denn eigentlich das Problem?
 

Wenn eine Ostdeutsche in den Westen zieht, weil sie dort einen besseren Job bekommt, dann kümmert sie sich auch nicht um die armen jungen Männer, die im Überschuss in den ostdeutschen Bundesländern leben. Wenn ein Wissenschaftler in die USA geht, um unter besseren Bedingungen zu forschen, kümmert er sich auch nicht drum, welche Eliteuni genannt wird, wenn er den Nobelpreis erhält.

Nach der anfänglichen Euphorie kippte die Stimmung im Land in Zorn über: Deutschland hat 7 Mio. Arbeitslose! Wie viel die Flüchtlinge kosten! Alles Moslems! „So what?!“ könnte Pier Carlo Padoan daraufhin sagen.

Die Finanz- und Wirtschaftskrise bedeutete viel mehr Einbusen für die Europäer. Und wie viel das gekostet hat, das wissen wir alle. Übergriffe auf Bänker oder Banken gab es nur in niedriger Stückzahl. Übergriffe auf Asylanten oder Asylunterkünfte – es ist zu traurig, um diese Zahl zu nennen.
Wir picken uns gerne die Rosinen heraus – weil wir es können. Doch wir müssen anerkennen: Die Welt war auch schon vor dem Zustrom an Flüchtlingen ein Dorf. Und ja, der Wettbewerb an Arbeitskräften nimmt zu, wenn wir Flüchtlinge als Talente schätzen. Aber nicht nur der Wettbewerb, sondern auch die Wirtschaftskraft. „Kann der Flüchtlingsstrom zum Wirtschaftswunder werden?“ ist somit die offene Frage eines aktuellen Zeit-Artikels.

„The Show must go on!“ könnte der italienische Finanzminister jetzt sagen.

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