Netzwerke aufbauen statt nur Mathe büffeln

Wer in eine Akademikerfamilie hineingeboren wird, hat sehr viel Glück. Denn diese Kinder erzielen bessere Bildungsabschlüsse und später höhere Gehälter. Bekannt ist das schon lange. Nun zeigt eine Studie der Social Mobility Commission, dass die soziale Herkunft auch dann über die Höhe des Gehalts entscheidet, wenn Menschen aus einfachen Verhältnissen aufgestiegen sind. Die Forscher werteten Daten von 90.000 Beschäftigten aus Großbritannien aus und fanden heraus: Wer aus einer Arbeiterfamilie kommt und als Ärztin, Anwalt oder im Management arbeitet, verdient umgerechnet 8.000 Euro im Jahr weniger als die Kollegen aus Akademikerfamilien. Die Forscher gehen davon aus, dass bessere Abschlüsse der Wohlhabenderen sowie deren Mut für Führungspositionen ausschlaggebend für diesen Unterschied sind. Doch selbst Arbeiterkinder mit der gleichen Position, Ausbildung und Arbeitserfahrung verdienen später schlechter als die Akademikerkinder. Sie würden beispielsweise seltener nach Gehaltserhöhungen fragen, so die Forscher.

Der Soziologe Michael Hartmann analysierte deutsche Chefetagen und erklärt die schwierigen Aufstiegschancen der Arbeiterkinder so: Wer als Führungskraft durchstarten will, muss agieren wie die Alt-Führungskräfte. Und die Elite rekrutiere am liebsten aus ihren eigenen Reihen, also Menschen, die ihnen ähnlich sind. Selbst bei Promovierten mit gleichem Studienverlauf haben diejenigen aus privilegierten Familien eine höhere Wahrscheinlichkeit, Spitzenpositionen einzunehmen. Diese Elite kennt einflussreiche Menschen und deren Habitus von klein auf. Es reicht also nicht, dass Kinder gut in Mathe, Deutsch und Englisch sind. Sie sollten vielleicht auch noch lernen, wie Krawatten gebunden werden, wie sie mehr Selbstvertrauen bekommen und wie Netzwerke aufgebaut werden.

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