Machen, was die Mehrheit erwartet

Wenn Menschen Eltern werden, ist das eine enorme Lebensumstellung. Meist kehren sie durch dieses Ereignis zurück zur klassischen Arbeitsteilung: 70 Prozent der Mütter arbeiten in Teilzeit, bei den Vätern sind es nur 6 Prozent. Dabei zeigen Studien, dass Frauen gerne ihre Arbeitszeit erhöhen und Männer gerne weniger arbeiten würden. Die Frage ist: Warum kommen Väter ihrem Wunsch nicht nach, obwohl sie einen gesetzlichen Anspruch auf Teilzeit haben?

Eine Erklärung: Männer tun es nicht, weil es die anderen Männer auch nicht tun. Der Psychologe Daniel Haun vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie führte Tests mit Kleinkindern durch. Er fand heraus, dass schon sie sich dem Gruppendruck beugen, um die Nachteile des Andersseins zu vermeiden. In einem Test sollten Vierjährige drei Figuren in einem Bilderbuch benennen. Während die Kinder sich dabei gegenseitig hören, aber nicht sehen konnten, sollten Sie sagen, welche Figuren sie sehen. Dabei bekam eine Gruppe von Kindern drei Figuren, von deren eine anders war. Die Antwort dieser Kinder hätte also immer anders ausfallen müssen. Allerdings kamen sie zu unterschiedlichen Aussagen – je nachdem, ob die anderen Kinder ihre Aussagen hören konnten oder nicht.

Fazit: Wer weiß, dass er von anderen gehört wird, beugt sich meist der Meinung der Mehrheit, obwohl die Lösung falsch ist. Menschen lügen also, um sich anzupassen. Normative Konformität nennen Psychologen dieses Phänomen. Es geht darum, die Erwartung einer Gruppe zu erfüllen und Anerkennung zu bekommen. Also, liebe Väter, nur Mut zur Teilzeit! Eure Familie wird es euch anerkennend danken.

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