Gier beflügelt riskante Entscheidungen

Wie weit würden Sie einen Luftballon aufpumpen, wenn der Gewinn mit Größe des Luftballons steigt? Wie weit, wenn beim Platzen des Ballons auch der Gewinn platzt? Psychologen der Uni Würzburg ließen Probanden dafür zunächst einen Persönlichkeitstest ausfüllen. Danach durften sie einen virtuellen Luftballon aufblasen, während deren Hirnströme gemessen wurden. Wer am Ende den prallsten Ballon hatte, erhielt eine reale finanzielle Belohnung. Die meisten Testpersonen pumpten drei oder vier Runden. Diejenigen aber, die im zuvor ausgefüllten Fragebogen hohe Werte für Gier erreichten, pumpten fast doppelt so häufig.

Der Persönlichkeitstest ermittelte die Gier als die Bereitschaft nach mehr zu streben – auch wenn dies auf Kosten der anderen geschieht. Verstärkt wurde dieser Mechanismus sogar, wenn sich die Testperson mit der Biografie eines gierigen Menschen auseinandergesetzt hatte und somit Gier als Persönlichkeitsmerkmal getriggert wurde. Das Interessante am Experiment: Die Gehirnaktivitäten der Probanden mit hohen Gier-Werten zeigten, dass diese Probanden aus ihren Fehlern nicht lernten. Die Hirnaktivität veränderte sich kaum – ob der Ballon platzte oder nicht. Typisch wäre aber die sogenannte „feedbackbezogene Negativierung“ gewesen, eine Reaktion als Teil des Denkprozesses. Demnach lernt der Mensch aus den Folgen seiner falschen Entscheidungen.

Gierige Menschen lernen also weniger aus ihren Fehlern. Sie nehmen äußere Warnsignale weniger wahr und treffen damit riskantere Entscheidungen. Wer also neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einstellt, die mehr reflektierte und weniger risikoreiche Entscheidungen treffen sollen, sollte diesen Versuch vielleicht in die Bewerberauswahl aufnehmen.