Exclusive Problems

Hungernde in Äthiopien (Foto: Flickr.com/subcomandanta CC BY-NC-SA

Und plötzlich habe ich das Gefühl es gibt zwei Zeitzonen und ich bin von halb sieben morgens bis halb neun abends fremdgesteuert. In einem Land jenseits meiner Zeit, in dem es nicht mehr darum geht, was ich will.

Es gibt keine Entscheidungen mehr wie: Heute lese ich mal noch eine halbe Stunde im Bett. Oder: Heute gehe ich sofort duschen und dann raus. Das fehlt mir sehr. Wenn dann abends die Kleine schläft und ich die Zeiteinteilung wieder bestimmen kann, schaffe ich kaum mehr als …

Dieser Text ist von Mia Bregula mit dem Titel „Mutter sein: Ab 6.30 Uhr fremdgesteuert

Die Autorin beschreibt, wie ein gewöhnlicher Tag mit einem Kleinkind aussieht. Wie der aussieht, möchte ich an dieser Stelle zusammenfassen, denn ein Wort beschreibt es ganz gut: EINTÖNIG.

Aber auch ein gewöhnlicher Arbeitstag mit Kind ist irgendwie unbefriedigend. Denn nach einiger Zeit hat man das Gefühl, nur noch funktionieren zu müssen. Eine Gedankenspirale entsteht: Wecker oder Kind geben den Startschuss für den Wettlauf gegen die Zeit, für das Gerechtwerden des sich selbst auferlegten Drucks, für die Selbstoptimierung (Welcher ist der schnellste Weg vom Kiga, Station1 – zur Tagesmutter, Station2 – zur Arbeit, Station 3)? Und am Ende steht die Erschöpfung (Weil man ja auch nicht durchgeschlafen hat). Mir fallen da auf Anhieb Schlagwörter ein wie Belastung, Burnout, Fremdgesteuert. Die Laune ist entsprechend.

Danke, dass ich an einem solcher Tage einen Menschen treffe, der mich zurückholt auf den Boden der Tatsachen. Und mich daran erinnert, dass unsere Probleme sehr sagen wir exklusiv sind: Fast eine Milliarde Menschen hungern. Davon fast 130 Millionen Kinder. Im Mittelpunkt des Alltags steht wohl eher die Frage, wie man dem eigenen Kind etwas zu Essen besorgen kann …

Und plötzlich versiegt das Gejammer über einen fremdbestimmten Tag.

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