Es lohnt sich doch!

Wer mich kennt weiß, dass ich mich schon des Öfteren gefragt habe, warum Menschen eigentlich Kinder bekommen. Denn mit meinem jetzigen Kenntnisstand ist es einfach sehr mühselig und nicht unbedingt schön, Kinder zu haben. Man liest wohl darüber hinweg im Vorfeld!? Man redet wohl nicht mit Eltern von Kleinkindern und weiß deshalb nicht, was da auf einen zukommt!?

Das Glück nimmt mit der Elternschaft ab. Zumindest sagt das die Glücksforschung. Eltern wollen sich das hingegen nicht eingestehen, das sagen die Eltern den Forschern. Ich persönlich habe erlebt, dass das Glück abnimmt. Doch gestern war so ein Moment, in dem ich diesen Gedanken beleidigend fand. Folgende Situation:

Kurzer Vermerk: In Familien mit (Klein)Kindern geht es entgegen der weit verbreiteten Meinung nicht immer harmonisch oder zuckersüß zu.

Nach einem 8-Stunden-Arbeitstag, davor Kinder fertig machen und in den Kindergarten bringen, dazwischen einen Termin wahrnehmen und nach der Arbeit noch etwas einkaufen … Da sitzen wir nun nach diesem langen Arbeitstag zusammen am Esstisch und nach dem zehnten Mal „Lass bitte deinen Bruder in Ruhe essen!“ wird man nun einmal lauter. Lauter als beabsichtigt. Merkwürdigerweise wirkt es. Allerdings tut es einem hinterher auch sehr leid.

Am gleichen Tag bin ich abends am Bett meines dreieinhalbjährigen Sohnes. Weil ich gelesen habe, dass Eltern mit ihren Kindern über Gefühle reden sollen (damit diese darin geschult werden, ihre eigenen Gefühle auszudrücken und Strategien im Umgang mit Gefühlen zu entwickeln) oder weil ich es intuitiv für richtig hielt (das kann man irgendwann nicht mehr unterscheiden), entschuldigte ich mich bei ihm dafür, dass ich auch mal gemeine Sachen zu ihm sage oder lauter werde. Da erwidert mein Sohn verständnisvoll „Jeder hat das mal.“ Und er zählt seine Kindergartenfreunde auf, die auch mal lauter wurden …

Großartig! Ein gänzlich erhabenes Gefühl stieg in diesem Moment in mir auf. Wow! Es ist die Anerkennung für die eigene Leistung. Es ist Zufriedenheit, die sich in diesem Moment einstellt. Die Zufriedenheit mit sich selbst, das Kind auf den Weg zu einem gesunden Umgang mit Gefühlen gebracht zu haben. Und die Dankbarkeit über das Glück, das aus verschiedensten Gründen erleben zu dürfen.

Ich weiß nicht, ob es sich lohnt oder nicht, Kinder zu bekommen – oder warum man Kinder bekommt. Ich weiß nicht, ob man sich diese Frage überhaupt stellen soll. Ganz unreflektiert würde ich an die Sache nicht mehr rangehen. Aber diese Frage stellt sich mir ja zum Glück auch nicht mehr.


Ergänzend zu diesem Text habe ich eine schöne Textstelle aus dem Buch von Manfred Lütz „Wie Sie unvermeidlich glücklich-werden“ gefunden, die ich sehr treffend finde:

Ausgerechnet das Wichtige im Leben kann man nicht definieren, man kann es nicht in den Griff bekommen, man kann sich seiner nicht sicher sein. Wenn das nicht so wäre, dann wäre das Leben bloß ein langweiliges, festgelegtes Programm, für das man Gebrauchsanweisungen schreiben könnte, die es jedem ermöglichen würden, sein Leben so zu führen, wie es sich angeblich gehört. Dem Leben wäre jedes Geheimnis genommen, jeder persönliche Charakter, jede Vitalität. Das Leben wäre leblos.

 

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