Einfach mal nichts tun

Können Sich sich erinnern, wann Sie sich das letzte Mal gelangweilt haben? Wahrscheinlich nicht. Der Grund: Wir sind immerzu beschäftigt. Beschäftigtsein wird entlohnt, und das haben wir schon von klein auf gelernt. Wer am Schreibtisch sitzt und nichts tut, wird schließlich nicht fürs Rumsitzen bezahlt. Darin sind sich alle einig. Nichtstun ist ein Tabu. Da wundert es nicht, dass Menschen Langeweile als negativ empfinden.

In einer amerikanischen Studie setzten Psychologen Probanden zwischen 18 und 77 Jahren für 6 bis 15 Minuten in einen nicht dekorierten Raum. Es gab keine Ablenkungen, wie etwa Smartphone, Bücher oder Musik. Nur einen Elektroschocker. Das Verblüffende: Zwei Drittel der Männer und ein Viertel der Frauen nutzten das Gerät, um sich abzulenken – und fügten sich freiwillig Elektroschocks zu. Für die Forscher ist damit klar: Der Mensch tut lieber etwas Unangenehmes, statt einfach seinen Gedanken nachzuhängen.

Doch gerade wenn man alleine mit seinen Gedanken ist, fördert das die persönliche Entwicklung, neue Erkenntnisse und Kreativität. Selbst Profi-Sportler wissen, dass sie nicht immerzu trainieren können, sondern Pausen brauchen, um zu regenerieren. Klingt gut und tut gut. Vielleicht braucht es fürs Nichtstun einen anderen Begriff, um in Zeiten der Informationsüberflutung als kostenfreie Erholungsmethode wieder attraktiver zu werden. Man könnte das Nichtstun auch als Heureka-Zeit bezeichnen. Klingt gut und hat bereits einen prominenten Vertreter. Archimedes von Syrakus soll beim Baden das Archimedische Prinzip entdeckt haben und anschließend nackt und „Heureka!“ rufend durch die Stadt gelaufen sein.

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